Darstellendes Spiel

Neues aus dem Kurs "Darstellendes Spiel"

Mittwoch, 12. Oktober 2011
Präsentation des Projektes

Die Präsentation des Projektes wurde in das Rahmenprogramm „WÜRDE“ aufgenommen.

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1. Stellung des Faches „Darstellendes Spiel“
Darstellendes Spiel (im Weiteren: DS) wird seit der ersten Oberstufenreform in den siebziger Jahren an zahlreichen Schulen unterschiedlichster Schulformen angeboten, allerdings nicht immer als eigenständiges Fach, sondern im AG-Bereich, als Projekt oder im Unterricht anderer Fächer. Interessierte Lehrkräfte können in Studiengängen und Aufbaustudiengängen, aber auch in beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen eine Unterrichtsqualifikation erwerben.
Seit der Oberstufenverordnung von 1997/98 kann DS in Niedersachsen mit behördlicher Genehmigung im Sekundarbereich II als Wahlpflichtfach belegt werden. Mit der Änderung der Verordnung über die gymnasiale Oberstufe vom 2. Dezember 2002 wird DS nun dem Aufgabenfeld A als drittes musisch-künstlerisches Fach zugeordnet; davor bestand die Möglichkeit, mit der Belegung von DS-Kursen die Belegpflichten für das Fach Deutsch im Grundkursbereich zu erfüllen, was nicht mehr möglich ist. Mit Beginn des Schuljahres 2008/09 kann das Fach auf Antrag der Schule als mündliches Prüfungsfach in der Abiturprüfung gewählt werden. Ebenso gilt für das Fach die Regelung zur “besonderen Lernleistung”.

 

2. Verfahren, Inhalte und Ziele des Faches
Der Unterricht im Fach DS hat seinen Schwerpunkt in ganzheitlichen, projekt- und produktorientierten Verfahren, die am Medium Theater orientiert sind. Die Möglichkeiten des Lernens gründen sich “in starkem Maße auf gruppenpädagogische, prozessorientierte und kreative Verfahrensweisen”. In der “Auseinandersetzung mit ästhetischen Gestaltungsproblemen” sollen “ganzheitliche Bildungsprozesse” in Gang gesetzt und “soziale Qualifikationen” wesentlich gefördert werden. In Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit geht es darum, “Methoden zu vermitteln, die es den Kursteilnehmern ermöglichen, einen Arbeitsprozess gemeinsam und möglichst selbständig in Gang zu bringen, zu entwickeln, abzuschließen und auszuwerten”. Aufgaben und Arbeitsformen ergeben sich dabei aus der Orientierung am Medium Theater (Arbeit an Text und Rolle, Kostümen, Bühne und Bühnenbild, Musik und Tanz etc.).
Zu den wesentlichen Verfahren des Faches DS zählt die Präsentation, die in allen Vorgaben für das Ende eines Kursjahres (nach zwei Semestern) vorgesehen ist. Die in der Arbeit entwickelten Darstellungsformen sind auf die Vermittlung an ein Publikum hin angelegt und die Auseinandersetzung mit der Reaktion auf von ihnen Gestaltetes ist für die Teilnehmer – besonders in der Oberstufe – eine wichtige Grundlage für die Reflexion.
Neben dem Anteil an handlungs- und produktionsorientierten Verfahren ist für DS als gymnasiales Fach auch ein Anteil an solchen Unterrichtsverfahren vorgesehen, die eher auf kognitive Wissensvermittlung zielen (vgl. Ziele). Ihnen kommt im Rahmen der Leistungsbewertung besondere Bedeutung zu, da nicht nur Mitarbeit, Spielpraxis und Präsentation bewertet werden, sondern auch schriftliche Leistungskontrollen (Klausuren). Die Bestimmungen entsprechen hier denjenigen der Fächer Kunst und Musik, beispielsweise im Hinblick auf zum Teil praktische Aufgaben.

 

Die Inhalte des Unterrichts im Fach DS sind den genannten Lehrplänen aus Berlin und Hamburg zu entnehmen. Sie verteilen sich auf eine Einführungsphase im Jahrgang 10 und vertiefende Projektphasen in den Jahrgängen 11 und 12.
Grundlegend ist ein Ablauf, der von ersten Interaktionsübungen, Arbeit an Sprache und Rolle, Improvisationen und Kurzprojekten (schauspielerische Arbeit) über die Erarbeitung der Theatertheorie und der besonderen theatralen Gestaltungsmittel (Licht, Ton, Requisit, Kostüm) zu den bereits erwähnten Jahresprojekten führt, in denen das Erlernte zusammengeführt wird. Als Jahresprojekt muss eins der vorgegebenen Projekte gewählt werden: die Umsetzung einer dramatischen Vorlage, die Adaption einer Vorlage oder eine Eigenproduktion. Spielpraktische oder produktionsorientierte Anteile von Klausuren können sich auf diese Jahresprojekte beziehen.
Die Ziele des Unterrichts im Fach DS unterscheiden sich, abgesehen von Einzelzielen im Rahmen konkreter Projekte, im Prinzip nicht von denen anderer gymnasialer Fächer, wobei hervorgehoben werden muss, dass sie einen Schwerpunkt auf die sogenannten sozialen Kompetenzen legen. Der Lernzielkatalog lässt sich in drei Bereiche untergliedern, nämlich den Erwerb von Kenntnissen oder Wissen, den Erwerb von Fertigkeiten oder Methoden und den Erwerb von Eigenschaften oder Identität.
Für den ersten Bereich kann kulturgeschichtliches Wissen, das heißt, Kenntnisse über Theaterformen und Geschichte sowie die Theorie des Dramas, beispielhaft als Beitrag zur Allgemeinbildung genannt werden. Dazu gehört aber auch das Wissen um Methoden der Vermittlung von Inhalten mit Hilfe “theatraler Zeichen”, also Kenntnisse über die Funktionsweisen ästhetischer Kommunikation.
Der Lernzielbereich der Fertigkeiten und Methoden hat einen Schwerpunkt in der Beherrschung und Anwendung ästhetischer Gestaltungsmittel, womit eine erhöhte ästhetische Kompetenz und Souveränität im Umgang mit Medien angestrebt wird. Ebenso gehören in diesen Bereich die erlernten Methoden der Auswertung und Reflexion.
Im dritten Lernzielbereich liegt die Betonung auf den Aspekten der Persönlichkeits- entwicklung und Identitätsfindung. Die Arbeit an einer Rolle schafft die Möglichkeit, im Entdecken und Ausprobieren von Handlungsalternativen eigene und fremde Lebensentwürfe zu reflektieren und so zu einer genaueren Erkenntnis eigener Fähigkeiten und Grenzen zu gelangen. Partner- und Gruppenfähigkeit werden durch die grundlegenden Arbeitsweisen in erhöhtem Maße geschult und das soziale Miteinander gestärkt. Unter Bezug auf die fortschreitende Globalisierung sieht Professor Max Fuchs, Erziehungswissenschaftler an der Universität Essen, in den Zielen der geschilderten ganzheitlichen Bildungsprozesse einen wesentlichen Beitrag zur “kulturellen Selbstbehauptung”.

 

3. Das Fach DS an der Liebfrauenschule
Das Fach DS wird an der Liebfrauenschule seit dem Schuljahr 2005/06 in den Jahrgängen 11 und 12 unterrichtet, seit dem Schuljahr 2008/09 in den Jahrgängen 10 und 11, hier wegen des „Doppeljahrgangs“ mit zwei Kursen. Als mündliches Prüfungsfach in der Abiturprüfung kann DS zurzeit noch nicht gewählt werden, die Fachkonferenz ist aber in Zusammenarbeit mit der Schulleitung bestrebt, den entsprechenden Antrag in absehbarer Zeit zu stellen. DS kann aber im Rahmen der Belegverpflichtungen im musisch-künstlerischen Aufgabenfeld das Fach Kunst oder Musik ersetzen, wenn dieses Fach nicht als Leistungsfach belegt wird.
Die Kurse werden von Frau Hoffmann und Herrn Salewski geleitet, die in der Fachkonferenz von Frau Elisabeth Schade als Vertreterin der Eltern und Lea-Sophie Diekmann als Schülervertreterin unterstützt werden. Im März 2009 hat die Fachkonferenz ein schulinternes Fachcurriculum vorgelegt, das auf der Basis der EPA die im Fach DS zu erwerbenden Kompetenzen und Methoden beschreibt.

 

vgl. H.H. Lenz: “Darstellendes Spiel”. URL: http://www.nibis.de/nli1/gohrgs/darst_spiel/start.htm
s. Verordnung über die Abschlüsse in der gymnasialen Oberstufe [...] (AVO-GOFAK) vom 26. Mai 1997 (letzte Änderung vom 19. November 2003), § 11
Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Gymnasiale Oberstufe. Fach Darstellendes Spiel. Hrsg. v. Senator für Schulwesen, Berufsausbildung und Sport. Berlin: Weinert 1987.
Lehrplan Darstellendes Spiel für die gymnasiale Oberstufe. Hrsg. v. d. Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung. Hamburg 1990.
vgl. Anmerkung i
Niedersächsisches Landesinstitut für Schulentwicklung und Bildung: Zur Praxis des Darstellenden Spiels I. Thema: Leistungsbewertung. Redaktion Hans-Hubertus Lenz. Hildesheim: NLI 2003 (nli-Beiträge 73)
Rahmenplan Berlin, S. 3 (vgl. Anm. iii)
vgl. Eckart Liebau: “Tutzinger Thesen zum Theater an der Schule”. In: Profil (Juni 2004), S. 9
Rahmenplan Berlin, S. 4
vgl. nli-Beiträge 73 (Anm. vi), S. 10
Max Fuchs: “PISA und die Künste – die Schieflage und die Bildung als ‚Leben im aufrechten Gang’”. In: SchulTheaterInfoNiedersachsen 21 (3/2003), S. 16


Weiterführende Informationen / Links
Zur Situation des Faches und zu Fragen der Aus- und Weiterbildung:
www.nils.nibis.de
Zu Theorie und Praxis des Faches / Website des Fachverbandes Schultheater –
Darstellendes Spiel Niedersachsen e.V.
:
www.schultheater-nds.de